Postmoderne Helden auf der RingCon

Nun gibt es ja nicht nur tolle Sachen zu Angucken, es gibt auch coole Sachen zum Anhören. Nämlich der eine oder andere Vortrag auf der RingCon.

Ich habe den Vortrag ‚Postmoderne Helden oder warum die Cullens Vegetarier sind‘ von Anja Stürzer besucht.

Zunächst ist der Begriff ‚Postmoderne‘ an und für sich schon ziemlich schwierig. Es ist meistens ja nur rückwirkend möglich, bestimmte Epochen schön schubladen-sauber einzuteilen. Denn im echten Leben teilt sich nix so fein in Schubfächer. (Oh and btw wer mich in eine Schublade packen will, nimmt dann bitte die mit dem Süßkram, ja? :D )

In diesem Vortrag bezieht sich Stürzer auch ausschließlich auf die philosophische Komponente des Begriffs und den Bereich des Story-Telling in Buch und Film. Aber hauptsächlich in den Büchern. Ich muss sagen, dass mir ein paar Dinge, die sie dargelegt hat, nicht wirklich klar gewesen sind. Denkt man aber darüber nach, dann muss man sagen, dass Einiges davon definitiv zutrifft.

Aber nun zu den Beispielen.
Stürzer hat sich für zwei der erfolgreichsten Buch/Film Franchises entschieden: Harry Potter und Twilight. Egal was man jetzt von den Büchern halten mag (ich finde z.B. Twilight nicht so wirklich gelungen), es ist unzweifelhaft und unbestreitbar, dass diese beiden Buchreihen und die dazugehörigen Filme einen unglaublichen Erfolg beim Publikum hatten.

Als Autorin interessiert mich natürlich auch warum das so ist.
Ja, die Bestseller-Formel suchen viele und das schon lange und die Wahrheit ist einfach, dass man sie nie finden wird. Aber ebenfalls wahr ist, dass es bestimmte Dinge gibt, die ein Leser erwartet. Manche Dinge sind eben Zeitgeist und wenn man die nicht so bekommt, dann fühlt es sich im Buch oder im Film einfach unstimmig an. Es sei denn der Bruch ist Absicht und extrem gut gemacht.

Also, was erwartet der postmoderne Mensch denn so?
Die Prämisse ist ist, dass die Moderne durch sogenannte Meta-Erzählungen die Macht der Herrschenden aufrecht erhält. Also die Matrix in der ‚Matrix‘ wäre die Meta-Erzählung, die die Menschen in ihrer Unterdrückung hält.

Der postmoderne Held durchbricht diese Meta-Erzählung. Zu einem dadurch, dass er ein Außenseiter der herrschenden Klasse – oder der In-Group – ist und zum anderen dadurch, dass er gegen die Autorität und das ‚Comme il faut‘ angeht.

Nun, die Underdog-Geschichte ist mir natürlich in Filmen auch schon aufgefallen. Teilweise bis zu Lächerlichkeit überzogen. Zum Beispiel in ‚Dracula Untold‘. Wenn ich mir diesen Film unter den Gesichtspunkten dieses Vortrages ansehe, dann wundert mich manches nicht mehr. Aber leider hat es den Film ruiniert. Sorry.

Einen Fürsten zu einem Underdog, zu einem Außenseiter zu machen, das ist schon nicht leicht. Also nehmen ihm die Drehbuchschreiber seine Armee weg. Die Walachen hatten sehr wohl eine Armee. Dann trifft er die Entscheidung sein Volk (das sind nicht ‚meine lieben Transsylvanier‘ Herrgottnochmal, das sind Walachen, Vlad III, war der Chef der Walachei… *durchatem*) im Alleingang zu retten. Dafür geht er das Risiko ein, sich mit der Finsternis zu verbünden. Schließlich versuchen seine eignen Leute ihn umzubringen (Überziehen des Ausgestoßenen-Motivs ins Absurde) aber er killt natürlich alle Feinde – blablabla.

Mir tut es um den guten Film leid, der ein paar Mal durchgeblitzt ist. Da wäre so viel mehr gegangen und wenn man schon manche geschichtlichen Fakten bringt, die eher unbekannt sind, warum ignoriert man dann alle anderen? Ja, ich weiß… Hollywood. Und das ist der Grund warum sowas auch immer weniger Spaß macht. Meh.

Zurück zu dem Vortrag.
Ja, die Punkte, die Stürzer aufgeführt hat sind einleuchtend. Aber ich glaube nicht, dass alle Bücher oder Filme genau so sein müssen, um zu funktionieren. Auch wenn es einige Tropes gibt, die man tatsächlich selbst einsetzt. Wenn auch eher unbewusst, das ist wohl so eine Zeitgeist-Geschichte.

Das Spannende daran ist ja, dass sich die Auflösung der Meta-Erzählung, gegen die der Held kämpft, selbst wiederum die vom Held bekämpften zu Außenseitern macht. Der Böse ist der Böse, weil er nicht lieben kann (Harry Potter) und so erzeugt dieses Trope im Grunde wiederum seine eigene Meta-Erzählung. Ja, das ist wirklich, wirklich spannend. Da kann man auch viel mit machen. Aber ich schreib erstmal schön meine Gwindtera-Geschichten weiter. ;)

Der Vortrag war auf jeden Fall interessant und spannend und beweist, dass man auf der RingCon auch was lernen kann. :D

 

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