Writer’s Hell – oder: Das Schlimmste am Schreiben ist…

… wollt ihr das wissen?
Wirklich?

OK.

Fertige Texte richtig fertig machen.
Das ist mit Abstand das Schlimmste, Langweiligste und Quälendste am Schreiben.

Daher die berühmte Regel 2: Finish what you start.
Das ist nicht umsonst die zweite Regel. Eine Geschichte wirklich zu Ende zu bringen ist eine große Herausforderung.

Die meisten Leute mögen denken, dass eine Idee zu finden wirklich schwer ist. Aber nein, das ist es nicht. (Daher reagieren real-existierende Schriftsteller im echten Leben mit relativ wenig Enthusiasmus auf flüchtige Bekannte, die ihnen ihre ‚ganz tollen Ideen‘ anbieten wollen.) Ideen, die sind im Dutzend billiger. Etwas anzufangen – pfff – Peanuts.

In dem Moment, wo man aber denkt (durchaus mit Erleichterung) ‚Uff, jetzt ist die Geschichte fertig. Alles da, alles dran – himmelseidank.‘, schließt man innerlich irgendwo ab. Mir zumindest geht das so. Die Geschichte steht da, alles Notwendige ist dran. Die übelsten Fehler sind ausgeräumt. Geschafft.

Ähm, nein.
Jetzt muss der Feinschliff ran. Unelegante Sätze müssen eliminiert, Synonyme für nicht ganz passende Worte gefunden, ‚Lieblings’worte in zig-facher Wiederholung ausgemerzt werden. Das Problem: Du hast diesen Text bis dato schon so oft gesehen, dass es eine wirkliche physische Anstrengung bedeutet, ihn auf all das abzuklopfen. Betriebsblindheit am Werk.

Aber es hilft nichts. Da muss man durch. Und man mag nicht. Ich mag nicht. Es fühlt sich an wie Zähne ziehen ohne Betäubung. Und der behandelnde Arzt ist der Dentist aus ‚Little Shop of Horrors‘. Es fühlt sich an wie eine Strafarbeit, oder wie Seersucker glatt zu bügeln (bin überzeugt, dass Sisyphos heutzutage das machen müsste, nicht ’nen ollen Stein rollen).

Auf jeden Fall ist es nicht besonders schön.

Es sollte für Schriftsteller T-Shirts geben, mit der Aufschrift:
„Achtung! Schriftsteller ist in der Editier-Hölle! Berühren auf eigene Gefahr!“

Also – kurz und gut – sollte ich in nächster Zeit schlechte Laune haben, werft einfach Schokolade in meine Richtung und verlasst langsam und vorsichtig den Raum.  Es wird schon wieder alles gut. Doch bestimmt. Irgendwann. ;)